Jakobsweg als Seelenklempner oder warum Wandern meine Seele befreit

Was mir beim pilgern wiederfahren ist…

Am 9. Juli 2018 begann ich in Swinemünde (Polen) an der King’s Christ Church meinen Jakobsweg Richtung Wismar. Zwei Tage komplett Regenwetter, danach brennende heiße Sonnentage, nicht erreichbare Pilgerherbergen, Etappen über langweilige Betonpisten oder schier endlose Asphaltstrassen all dies und vieles mehr… und trotzdem, oder gerade deshalb, habe ich Erkenntnisse mitgenommen.

Was hat der Jakobsweg mit mir gemacht?

Niemand geht den Jakobsweg ohne Grund – ich auch nicht. Das mir allerdings das eine oder andere innere Thema so schnell um die Ohren fliegt, hätte ich auch nicht gedacht. Da war zum einen die Trostlosigkeit und Einsamkeit die mich an meine Grenzen brachte. Ich hielt mich immer für einen typischen Einzelgänger, jemanden der auch über einen längeren Zeitraum gut mit sich alleine klar kommt. Ich habe gelernt, dass dies eine völlige Fehlinterpretation meiner Selbst war. Die Tatsache, dass ich mit niemanden kommunizieren oder mich austauschen konnte hat mich sehr gestört.

Das Wetter macht Kapriolen und ich bin nicht zufrieden…

Als erstes kam der Regen. Die Wochen vor meiner Pilgerschaft war bestes Wetter. Am zweiten Tag meiner Pilgerfahrt fing es schon in der Nacht an zu regnen. Es regnete in Strömen und ohne Unterbrechnung. Einfach in einer Tour. Meine Finger waren schon ganz aufgeweicht weil das vom Poncho abfließende Wasser meine Finger ebenfals aufweichte. Ich habe Gott und Petrus angefleht den Regen jetzt endlich einzustellen – letztlich ohne Erfolg. Es regnete die ganze Nacht durch und es ging morgens wieder los im Regen. Und – oh Wunder- das Wetter machte mir nichts mehr aus. Je mehr ich mich mit dem IST-Zustand einverstanden erklärte um so schneller war die Situation entschärft. Es hörte um 13:00 Uhr auf zu regnen und Abends kam die Sonne raus.
Dann kam die große Hitze. Der Weg führte auf staubigen Wegen durch Felder und Wiesen. Jeder Schritt läßt den Staub aufwirbeln. Drückend heiß ist es schon morgens ab 9 Uhr morgens. Flirrend steht die Luft über schon Anfang Juli abgeernteten Getreidefeldern. Ich schleppe mich mit einem 12 Kilogramm schweren Monster auf meinem Rücken und viel zu warmen und schweren Wanderstiefeln an meinen Füßen durch die von der Dürre und Hitze arg mitgenommenen Natur. Aber auch hier war das Geheimnis, dass ich mich mit dem IST-Zustand einverstanden erklärte.

Wenn Du mit Dir ganz alleine bist – musst Du irgendwann Kontakt zu Dir aufnehmen!

Kilometerlang kann ich mit den Augen der staubigen Betonpiste folgen, bis sie sich irgendwo am Horizont verliert. Das soll der Jakobsweg sein? Entsetzlich langweilig! Niemand mit dem ich sprechen kann. Niemand mit dem ich mich austauschen könnte. In dieser Einsamkeit kam das Gefühl des „allein-gelassen-werdens“ hoch. Ich suchte irgendwo oder irgendwie nach einem Schuldigen. Der Weg ist Schuld. Die Etappe ist Schuld. Mecklenburg-Vorpommern ist Schuld. Ich merkte dann aber schnell das dies alles Blödsinn ist. Vielmehr nahm ich Kontakt zu mir selbst auf um dann ohne Grund plötzlich in Tränen auszubrechen. Mir war es egal wie ich nach Aussen ausgesehen haben muss, ich war ja ohnehin Alleine. Ich habe herzhaft geweint, geheult und geschluchzt bis nach einer halben Stunde diese Emotionen abgelöst wurde von einer erfrischenden Leichtigkeit. Hätte ich diese Erlösung auf heimischen Wanderwegen oder auf dem Camino de Santiago zulassen können? Ich denke dort wo so viele andere Menschen sind, hätte ich es mir nicht getraut.

Was habe ich von dort mitgenommen

Abgesehen von der Erkenntnis, dass nächste Mal leichtere Schuhe zu verwenden? Der Wunsch den Camino de Santiago zu gehen. Die Energien dort kennenzulernen und diesen Traum zu erfüllen.

Kategorie: Jakobsweg ·Spiritualität ·wandern
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